Kristóf Nyíri

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Professor am Institut für Philosophie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften
Im Wintersemester 2006/07 als Leibniz-Professor zu Gast an der Uni Leipzig.


Thema: Vernetztes Wissen. Philosophie im Zeitalter des Internets


Termin: 16. Januar 2007, 15–17 Uhr, Johannisgasse 26, Raum 1–22


Betreuung: Prof. Gräbe

Abstract:


Der aus Siebenbürgen stammende ungarische Physiker Albert-László Barabási und seine Mitarbeiter an der Universität Notre-Dame entdeckten 1999, dass im World Wide Web die Verbindungen zwischen den einzelnen Teilnehmern keiner normalen statistischen Verteilung folgen. Es gibt einige wenige Knotenpunkte (hubs) mit vielen Verbindungen und sehr viele Knotenpunkte mit nur ganz wenigen Verbindungen. Das World Wide Web ist gewiss keine Demokratie, wenn auch fraglos keine Republik. Aber eben durch das Vorhandensein von hubs mit überdurchschnittlich dichten Verbindungen werden Netzwerke zu so genannten “kleinen Welten”, in welchen sich die Distanz zwischen beliebigen zwei Knotenpunkten auf nur einige Schritte beschränkt.


Auch das menschliche Wissen ist nur dadurch zu bewältigen, dass die einzelnen Wissenssegmente insgesamt eine “kleine Welt”, genauer eine sich aus kleinen Teilwelten aufbauende umfassende kleine Welt bilden. Welcher Art sind aber die Wissenssegmente selbst? Der Vortrag geht davon aus, dass Wissen grundsätzlich praktisches bzw. prozedurales Wissen, d. h. Können ist. Eine Metapher, die das Vorstellen von Wissen sowohl als Praxis als auch als Netzwerk erlaubt, ist die des Begehens von Wegen. Wissen hat nicht weniger mit Links als mit Knotenpunkten zu tun. Wie lässt sich das in Webseiten oder gar in gedruckten Seiten verkörperte Wissen als ein Netzwerk von Wegen auffassen?


Der Vortrag versucht in zwei Richtungen Antworten auf diese Frage zu finden. Erstens durch die Beobachtung, dass praktisches Wissen sich viel schwieriger mit bloßen Worten vermitteln lässt, als mit einem Ensemble von Wörtern und Bildern; wo das linear-verbale Denken Absonderungen schafft, entsteht durch das – geistige oder physische – Bild sogleich eine Anzahl von Beziehungen. Bilder erinnern an bestehende und schaffen neue Zusammenhänge.


Zweitens durch die rudimentäre, vage und zugegebenerweise abenteuerliche Hypothese, dass vielleicht das sog. duale Modell von Straßennetzwerken, wo eben die Straßen als Knoten und die Kreuzungen als Kanten aufgefasst werden, eine passende Analogie bieten könnte: Wissenssegmente als Wege, ausgezeichnete Vermittlungen zwischen Wissenssegmenten als Knotenpunkte.


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