Seminar: Wissen in der modernen Gesellschaft


Sommersemester 2006

Prof. Hans-Gert Gräbe, Jörg Härtwig, Robert Höhndorf


In diesem Seminar sollen soziale, kulturelle und philosophische Aspekte des Umgangs mit Wissen in der modernen Gesellschaft (die gelegentlich auch als “Wissens- oder Informationsgesellschaft” bezeichnet wird) besprochen werden.


Es setzt damit zugleich die Aktivitäten der Reihe “Gesellschaft und Informatik” der Fachschaft Informatik fort, wobei das Seminar wie diese donnerstags 17–19 Uhr zur regulären Zeit des Institutskolloquiums stattfinden soll, um einzelne Gastvorträge in das Seminar zu integrieren.


Ziel ist eine detailliertere Beschäftigung mit verschiedenen Facetten des Informations- und Wissensbegriffs und den Konsequenzen, welche sich daraus für das Denken einer “Knowledge Society” ergeben. Im Sommersemester wollen wir dazu zunächst einige aktuelle Diskussionen ([Klemm 2003], Diskussionen auf der Oekonux-Liste im Frühjahr 2005, [Fuchs-Kittowski 2000], vielleicht bis hin zu [Gorz-04]) aufarbeiten, um dann – weiteres Interesse vorausgesetzt – im Wintersemester entlang des Buchs [Capurro 1996] die philosophische Dimension dieser Thematik zu vertiefen.


Als Form ist an ein Wechsel von Seminarvorträgen und Diskussionen gedacht, wobei das genauere Vorgehen am Anfang des Sommersemesters unter den Beteiligten abgesprochen werden soll.


Im Wintersemester wird das Seminar fortgeführt, wobei wir uns stärker mit gesellschaftlichen Konsequenzen beschäftigen wollen, etwa orientiert an [Gorz-04].


Dazu habe ich ein Opentheory-Projekt aufgesetzt, über das in Zukunft ein erheblicher Teil der Kommunikation laufen wird.


Literatur


Raphael Capurro: Leben im Informationszeitalter. Akademieverlag 1995.


[Gorz-04] Andre Gorz: Wissen, Wert und Kapital. Zur Kritik der Wissensökonomie. Rotpunktverlag 2004.


[KFK-00] Klaus Fuchs-Kittowski: Wissens-Ko-Produktion: Verarbeitung, Verteilung und Entstehung von Informationen in kreativ-lernenden Organisationen. In: Christiane Floyd, Christian Fuchs, Wolfgang Hofkirchner (Hrsg.): Stufen zur Informationsgesellschaft. Festschrift zum 65. Geburtstag von Klaus Fuchs-Kittowski. Peter Lang-Verlag, Frankfurt 2002


Oekonux-Wiki: http://de.wiki.oekonux.org/Oekonux/Debatten/WissenInformation


[Klemm-03] Heinz Klemm: Ein großes Elend. Informatik-Spektrum 26 (2003), 267–273.

Termine


Ort und Zeit: donnerstags 17:15-18:45 Uhr, SG 00–99

  • 06.04. Auftakt-Treffen, Themenverteilung

Es wurde besprochen, dass wir das gesamte Seminar nutzen wollen, um uns zunächst einmal den Begriffen “Information” und “Wissen” zu nähern und die ganze Spannbreite der damit verbundenen Semantiken zu begreifen. Auf der Basis könnte sich im Wintersemester ein genaueres Studium von [Capurro-95] anschließen. Der genaue Verlauf des Seminars ist offen und soll sich im Laufe des Semesters entsprechend den Bedürfnissen und Ergebnissen der Diskussion entwickeln. — HGG

  • 27.04. Zum Informations- und Wissensbegriff in der Lehre am If I (R. Hoehndorf)

In der Diskussion wurde die Vielzahl der Konzepte deutlich, die mit den Begriffen Daten, Information, Wissen verbunden sind. Insbesondere die Frage, ob bzw. in welcher Weise Informationen etwas mit “wahr” oder “objektivierbar” zu tun haben, wurde kontrovers diskutiert. Weitgehend geteilt wurde die Auffassung, dass Informationen einen Zusammenhang zwischen Daten und Begriffswelten herstellen, was einen gewissen Anthropozentrismus (zentriert auf Menschen) impliziert. Dies widerspricht etwas der Vorstellung, dass etwa auch im Erbgut Informationen gespeichert sind. Kontrovers wurde diskutiert, ob der Begriff “Daten” so verstanden werden sollte, dass diese erst durch Beobachten oder Messen zu solchen werden oder unabhängig von menschlichem Tun existieren. — HGG

  • 04.05. Die Diskussion um den Informationsbegriff in der Informatik Ende der 90er Jahre [Klemm-03] (H. Michalek)
Die Folien zu dem Vortrag sind PDF Documenthier.

  • 11.05. Dimensionen des Informationsbegriff in Internet-Debatten (Herr Hoop)

Die Debatte entzündete sich vor allem an der Frage, welche Rolle ein (in dem Fall von Herrn Hoop vorgegebenes) Regelwerk auf die Struktur einer Diskussion hat. Das Regelwerk selbst hatte sich ergeben als Mittel, ein sonst strukturloses «Plätschern» auf einer Mailingliste so zu strukturieren, dass auch wirklich Ergebnisse in Form eines Konsens erreicht werden. Praktisch war es in der Diskussion aber so, dass Konsens erst dann erzielt wurde, wenn die Aussagen bis zu Allgemeinplätzen “aufgeweicht” worden waren. — HGG

  • 18.05. Diskussion

Von mehreren Fragen, die am Anfang aufgeworfen wurden, haben wir uns an einer festgebissen: Was ist, welche Rolle spielt ein Konsens und was hat er mit dem Begriff des “Kontext” aus den ersten Veranstaltungen zu tun. Es wurden zwei wichtige Funktionen des Kontexts herausgearbeitet – K. als Begrenzungsfunktion und K. als Kommunikationsvoraussetung. In der Begrenzungsfunktion spielt insbesondere das Ausblenden von Aspekten eine Rolle. Die Frage, ob dieses Ausblenden ein je subjektiver, durch Abstimmung vermittelter Vorgang, oder aber als externer gemeinsamer Rahmen zu verstehen sei, wurde mehrheitlich zugunsten der ersten Variante entschieden. Neben derartigen “subjektiven Kontexten” existiert aber als Ergebnis des Abstimmungsprozesses auch ein “abgestimmter Kontext” und zwischen diesen bestehen subtile, nicht genauer analysierte Abhängigkeiten. Letzteres als “Konsens” zu bezeichnen fand keine Mehrheit, aber zumindest der «Verhältnischarakter” dieses “abgestimmten Kontexts” wurde festgehalten. — HGG

  • 01.06. Der Informations- und Wissensbegriff in [KFK-00] (Gräbe) — Vertagt auf den 22.06.


  • 22.06. Der Informations- und Wissensbegriff in [KFK-00] (Gräbe)


  • 06.07. Ausfall zugunsten einer Veranstaltung mit Franz Nahrada (Wien)

  • 13.07. Allgemeine Diskussion, (wie) geht es im nächsten Semester weiter?

  • 20.07. Gast: Michael Lachmann (Max Planck Institut fuer evolutionaere Anthropologie)

In this talk I will show that the notion of biological fitness, or growth rate, and measures of information are tightly linked. In fact, the Shannon information in a small (not necessarily infinitesimal) signal is exactly equal to the fitness gain that is made by using the signal, and the information in any signal puts a limit on the fitness gain of using the signal. I will look at the notion of information in the genome, how fast information can enter the genome, and how useful it can be once its there. I will also explain why biological probability is two-dimensional, and how to bet in a horse race.

 
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